Was ist eigentlich die erweiterte Produktions- und Feinplanung (PP/DS) in S/4HANA?

Die Produktions- und Feinplanung (PP/DS) wurde von SCM APO übernommen und in das S/4HANA-System integriert, erfordert aber nach wie vor eine Aktivierung und Lizenzierung. Üblicherweise plant man über PP/DS die Produkte auf Engpassressourcen; während zum Beispiel verbrauchsgesteuerte Einkaufsmaterialien mit der infiniten Beschaffungsplanung „MRP Live“ bestens abgedeckt sind. Vorab bestimmt man die Engpassressourcen und lässt dann alle Produkte dazu über PP/DS planen. Man stellt also sicher, dass alle Produkte die über diese Arbeitsplätze laufen, in der Kapazitätsplanung berücksichtigt werden.

Argumente für PP/DS

PP/DS plant minutengenau und zwar auch für Sekundärbedarfe, wodurch eine Bestandsreduzierung bei gleichzeitig besserer Liefertreue erreicht werden kann. Die Optimierung der Auftragsreihenfolge verkürzt Durchlaufzeiten und weitere Optimierungsverfahren helfen Rüstzeiten/-kosten zu optimieren. Zudem ist eine mehrstufige Sicht der Material- und Kapazitätsplanung (Pegging) verfügbar. Es gibt verschiedene Planungsheuristiken und dynamische Ausnahmemeldungen (Alerts).  Bei der bidirektionalen Planung in PP/DS können z.B. Abhängigkeiten berücksichtigt werden. So wird im Rahmen der Bottom-up-Heuristik sichergestellt, dass der Planauftrag für das Enderzeugnis nicht vor der Komponentenfertigstellung beginnt. Über die Wahl der Planungsstrategie kann festgelegt werden, ob eine finite oder infinite Planung durchgeführt wird. Bei der finiten Planung (Kapazität gilt als begrenzt), wird eine simultane Mengen- und Kapazitätsplanung auf Planauftragsebene durchgeführt. MRP geht hingegen immer von unbeschränkten (infiniten) Kapazitäten aus und erst im Nachgang erfolgt ggf. die Kapazitätsplanung.

Außerdem gibt es den Alert-Monitor; eine Überwachungskomponente in PP/DS. Jede Situation, die in der Planung angepasst werden muss, wird als Alert ausgegeben (optional sogar via E-Mail). Es gibt unterschiedliche Prioritätsstufen (Information, Warnung und Fehler) und man kann über die Standard-Alert-Typen hinaus auch eigene definieren. Das schafft Transparenz und eine zentrale Anlaufstelle, um schnell zu identifizieren was wichtig ist.

Weitere Informationen

  • SAP-Hinweis: 2372590
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Grundfunktionen des SAP Embedded Extended Warehouse Managements in S/4HANA

Diverse Funktionen aus den klassischen Satellitensystemen, wie den SAP-Systemen Supplier Relationship Management (SRM) und Supply Chain Management (SCM), wurden in das SAP S/4HANA-System überführt. In diesem Artikel soll die Integration des Extended Warehouse Managements (EWM) aus dem SCM-System vorgestellt werden. Diese Lagerverwaltungssoftware dient der Steuerung komplexer Lager und gilt als Nachfolger des ERP WM-Moduls. Ziel von EWM war es Prozesse steuerbar zu machen. So ist es z.B. möglich Prozesse und Bewegungen in ihren Einzelschritten dem Lagerlayout und genutzten Ressourcen anzupassen. Im Artikel soll ein Überblick für versierte WM bzw. EWM-Berater geboten werden. Es wird das nötige Fachwissen vorausgesetzt und der Fokus liegt auf den Besonderheiten.

Stamm- und Bewegungsdaten

Für das in S/4HANA integrierte EWM (Embedded EWM), ist eine Bewegungsdaten- und Stammdatenübertragung über das Core Interface (CIF) nicht erforderlich. Materialstammdaten findet man nun nicht nur in den Tabellen MARA, MARC und MARD, sondern auch bereits in der Tabelle für den Produktstamm /SAPAPO/MATKEY. Produkte sind in EWM das Äquivalent zu den Materialien. Über die Fiori Apps „Produkt pflegen“ und „Produkte pflegen Lagerdaten“ können Sie die vom Materialstamm übernommenen Daten, um Lagerdaten ergänzen. In diese Fiori Gruppe gehören z.B. auch Stammdatenpflege Apps hinsichtlich Packspezifikationen, Lagerplätze, Fixlagerplätze, Ressourcen etc.

Wareneingang mit Anlieferung

Beim „Embedded EWM“ ist der Datenaustausch schlanker. Es wird nicht mehr eine Anlieferungsbenachrichtigung erzeugt und die Replication der Anlieferung erfolgt automatisch über die qRFC-Schnittstelle (queue Remote Function Call). Weniger Belege und mehr Transparenz sind die Folge. Zudem stehen für die LKW-Entladung, Wareneingangsbuchung und Einlagerung sogenannte „Radio Frequency Framework Funktionen“ zur Verfügung (kurz RF). RF ermöglicht den Einsatz mobiler Scanner und die Verwendung von Barcodes (EAN 128).

Prozessskizze

  • App „Bestellung anlegen“ inkl. Bestätigungssteuerung „Anlieferung“
  • App „Anlieferung anlegen“; mit Bezug zum erhaltenen Lieferavis und über die Zeile Handling Unit (HU) anlegen erstellen Sie selbiges. Nach der Dateneingabe (Menge, Packmittel, HU Typ und Anzahl) markieren Sie die Zeile und wählen Lieferung anlegen. Neuerdings wird jetzt sofort eine ERP und eine EWM-Anlieferung erzeugt.
  • App „Anlieferung pflegen“; nacheinander Anlieferungsnummer eingeben, Belegzeile markieren und jeweils den Button [Entladen + Sichern], [Wareneingang + Sichern], [Lageraufgabe anlegen] und [Lageraufgabe quittieren] wählen. Nun befindet sich die Waren in der Bereitstellungszone.
  • Inspektionsergebnisse erfassen. Insofern die Qualitätssicherung vorgesehen war, wurde im Hintergrund automatisch zusätzlich ein Prüflos erzeugt. Sie können dann über die Transaktion QA35 die Prüfergebnisse erfassen und eine Verwendungsentscheidung treffen. Dies bewirkt eine Änderung der Bestandsart z.B. in den frei-verwendbaren Bestand, gesperrten Bestand usw. Abschließend muss diese Lageraufgabe quittiert werden.
  • App „Lageraufgabe anlegen Handling-Units“. Nach Eingabe der Lagerprozessart und dem Nachlagerplatz (insofern keine automatische Einlagerungsstrategie implementiert wurde) zzgl. [Anlegen + Sichern], erfolgt die Einlagerung auf den finalen Lagerplatz. Die physische Einlagerung muss danach über die App „Lageraufgabe bestätigen“ noch quittiert werden [Anlegen + Sichern].
  • In der Bestellübersicht (ME23N) finden Sie jetzt einen Materialbeleg zum Wareneingang, in der Bestandsübersicht (MMBE) sehen Sie die Bestandsänderung und in der App Warehouse Management Monitor können Sie die Bestandsänderung auf Lagerplatzebene nachvollziehen.  

Warenausgang mit Auslieferung

Ausgehend von einem Kundenauftrag durchläuft man z.B. die folgenden Prozessschritte.

  • App „Kundenauftrag anlegen“ (VA01)
  • App „Auslieferung anlegen“ (VL01N); alternativ auch „Auslieferung anlegen ohne Auftragsbezug“.
  • Via App „Lagermonitor“ kann die Auslieferung in EWM geöffnet und es können dazu die Lageraufträge und Lageraufgaben erzeugt werden. Dazu gehören die Kommissionierung sowie die Verpackung zu Handling Units. Danach können die Verladung der HUs in Transporteinheiten (LKW, Trailer etc.) sowie der Warenausgang durchgeführt werden.
  • Folgeprozesse, wie die Faktura, schließlich den Prozess ab.

Lagerinterne Prozesse

Über einen Lagerungsprozess können verschiedene Prozessschritte abgebildet werden. So z.B. Entladung, Qualitätsprüfung, Zählung, Dekonsolidierung, Kitting, logistische Zusatzleistungen usw.

Retouren

Einerseits gibt es die Lieferantenretoure, bei z.B. einem negativen Ergebnis in der Qualitätsprüfung, bei der die erhaltene Ware via Retourenumlagerung oder Retourenbestellung an den Lieferanten zurückgeführt wird. Und andererseits die Kundenretoure, bei der die Ware vom Kunden zurückgeliefert wurde und diese ggf. zunächst in die Qualitätssicherung und Nacharbeit muss. Im Online-Handel sind Retouren übliches Tagesgeschäft, weshalb Retouren zu den Kernprozessen gehören. Start der Kundenretoure ist ein Retourenauftrag, welcher für den Kunden mit der Gutschrift abgeschlossen werden muss.

Inventur

Mindestens einmal jährlich muss in Deutschland eine Inventur durchgeführt werden, um Abweichungen im tatsächlichen Bestand gegenüber den systemseitig verfügbaren Informationen auszugleichen. Es kann zwischen der lagerplatzbezogenen (Erhebung aller Produkte bzw. HUs für den Lagerplatzinventurbeleg) und der produktbezogenen Inventur (Inventurbeleg für bestimmtes Produkt, welches lagerplatzübergreifend gezählt wird) unterschieden werden. SAP S/4HANA EWM unterstützt z.B. die folgenden Inventurverfahren: Ad-hoc-Inventur, Cycle-Counting, Einlagerungsinventur, Nullkontrolle, Stichtagsinventur, Lagerplatzprüfung und Niederbestandsinventur. Es können unterschiedliche Inventurbereiche definiert sowie diesen jeweils sogar mehrere Inventurverfahren zugeordnet werden.

Inventurdurchführung

  • App „Inventur anlegen“, um einen Inventurbeleg zu generieren, diesen (ggf. nach Deselektion von Produkten bzw. Lagerplätzen) zu aktiveren und ein Inventurverfahren auszuwählen.
  • App „Zählung Inventur“ zur Erfassung der Zählergebnisse.
  • App „Differenzen Analysieren“ und ggf. Buchung der Inventurdifferenzen, wodurch der Materialbeleg mit dem Buchhaltungs- und Kostenrechnungsbeleg erzeugt wird. Vorab können aber auch Nachzählungen veranlasst werden.

Werkzeuge für das operative Reporting

  • App „Lagermonitor“ (/SCWM/MON); z.B. Überblick über Eingänge, Ausgänge, Inventur, Belege, Bestand, Lagerplätze, Ressourcen, Produkte usw.
  • App „Lagercockpit“; Lagerkennzeichen z.B. zum Füllgrad, offenen Lageraufgaben usw. grafisch aufbereitete anzeigen lassen.
  • App „grafisches Lagerlayout“; stellt Lager inkl. Bestand, Lagerplätzen, Ressourcen usw. als zweidimensionale Grafik dar.
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