Customer-Vendor-Integration (CVI) und S/4HANA-Geschäftspartner

Geschäftspartnerstämme gibt es auch bereits im ERP-System. Diese wurden für spezifische Anwendungen (z.B. FSCM) und Industrien verwendet. Für die Brownfield-Einführung des S/4HANA-Systems müssen daher bereits in SAP ERP alle Kunden und Lieferanten mit Geschäftspartnerstammsätzen verbunden werden. Im Rahmen des SAP Readiness Checks wird geprüft, wie viele Kunden und Lieferanten noch nicht synchronisiert wurden. Dies ist eine der Voraussetzungen, bevor man ERP zum S/4HANA-System konvertieren kann.

Hilfreiche Reports

  • Konsistenzprüfung (entspricht Readiness Check) z.B. bzgl. Bankdaten, PLZ, Steuerdaten usw. (CVI_MIGRATION_PRECHK)
  • Zusammenstellung der wichtigsten SAP Notes via SAP TCI-Note 2820678
  • Für die Sandboxerstellung ohne Datenbereinigung/Readiness Check (New IMG Node)
  • Vollständigkeitsprüfung (CVI_COMPL_CHK)
  • Überprüfung der CVI-Links und des Customizings insb. nach der Massenpflege oder kurz vor der Konvertierung (CVI_UPGRADE_CHECK_RESOLVE bzw. PB_CVI_IMG_CHK)
  • CVI Massensynchronisation (MDS_LOAD_COCKPIT)
  • Die Vorprüfungen wurden von SAP im Cockpit zusammengeführt (CVI_Cockpit)
SAP Consulting und Management in Hannover bzgl. S/4HANA, Ariba und ERP

Fit/GAP-Analysen und Fit-to-Standard Workshops

Teil der Projektphase “Explore” ist insbesondere die Prozess- und Anforderungsaufnahme, der Abgleich mit dem SAP Standard, eine Konkretisierung des Zielsystems und das Aufspüren von Deltas. Nachdem die Grundlagen und Rahmenbedingungen in den Projektphasen „Discover“ und „Prepare“ geklärt und vorbereitet wurden, folgt die Ermittlung der Anforderungen und Analyse der unternehmensinternen Gegebenheiten. Dazu werden Fit-to-Standard Workshops mit der folgenden Zielsetzung durchgeführt:

  • Kennenlernen des Geschäftsmodells,
  • Analyse der Geschäftsprozesse und vorliegenden Daten,
  • Projektion auf SAP Best Practices Prozesse
  • Definition von Zusatzanforderungen und
  • nötigen Datenaufbereitungen.

Als FIT bezeichnet man alle Prozesse, die über die Konfiguration der SAP-Standardlösung abgedeckt werden können. Ein GAP erfordert eine kundenindividuelle Entwicklung, die oftmals als RICEFW bzw. WRICEF bezeichnet wird. Die Abkürzung RICEFW steht für die möglichen Lösungsalternativen (Objekte):

  • Reports (Berichte),
  • Interfaces (Schnittstellen),
  • Conversions (Datenformatkonvertierung z.B. CSV zu XML),
  • Enhancements (Erweiterungen bzw. Modifikationen; also Standardsoftwareänderungen),
  • Forms (Formulare, wie das Bestellschreiben) und
  • Workflows (Automatisierung von Arbeitsabläufen).

Ermittelte Deltas werden in einer Backlog-Liste zusammengetragen, es erfolgt ein sogenanntes T-Shirt-Sizing (Schätzung von Zeit und Kosten) sowie eine Entscheidung, inwiefern das Thema weiter betrachtet werden soll. Insofern eine Entscheidung zur weiteren Betrachtung getroffen wurde, folgen ggf. Machbarkeitsstudien und Umsetzungskonzepte bzw. -designs. Gute Beratung folgt dem Prinzip möglichst nahe am SAP Standard zu bleiben und eine Kosten-Nutzen-Abwägung anzuregen. Eine umfassende Kosten- und Aufwandsschätzung bezieht übrigens dabei nicht nur den Projektaufwand bzgl. Konzeption, Entwicklung, Test, Integration und Schulung ein, sondern berücksichtigt auch Wartung und Support im produktiven Betrieb.

Fit-to-Standard Workshopdurchführung

In Fit-to-Standard Workshops haben sich die folgenden Schritte etabliert. Theoretische Betrachtung der Best Practices, um Begrifflichkeiten und das Prozessverständnis zu vermitteln sowie nötige Entscheidungen vorzubereiten. Durchführung der Geschäftsprozesse im S/4HANA-System. Anregung von Diskussionen, wie die Prozesse zu den aktuellen Kundenanforderungen passen. Konkretisierung des Zielsystems, d.h. Abstimmung der Konfiguration, Stammdatenaufbereitung, Organisationsstrukturen, Berechtigungen usw. Identifikation von Anforderungen (Deltas), die nicht über SAP-Standardprozesse abgebildet werden können. Bestenfalls sollte man Kunden zudem die aktive Arbeit im System ermöglichen; ggf. kann dies auch als Teil des Workshops eingeplant werden.

Der Zugriff auf die „On-Premise Sandbox“ oder das Cloud „Starter System“, kann zudem durch guided Simulations, Online-Schulungen usw. ergänzt werden. Einen Workshop sollte man mit dem Einholen eines Feedbacks abschließen, um sich kontinuierlich zu verbessern und den Erfordernissen der Zielgruppe weiter anzunähern (Kaizen). Das Einholen des Feedbacks, kann über ein Tool erfolgen. So z.B. via Easyfeedback. Da derzeit viele Teams virtuell und verteilt zusammenarbeiten, kann die Betrachtung des Tools „MURAL“ interessant sein. Es handelt sich dabei um ein virtuelles Whiteboard.

S/4HANA-System für die Workshnops

Im Vorfeld wurde bereits ein On-Premise Sandbox System oder das Cloud Starter System für die Workshops bereitgestellt und um Best Practices (BP Explorer), eine Model Company oder Qualified Partner Packages angereichert. Die Model Company ist ein branchenspezifisches S/4HANA-System, welches bereits lauffähige Wertschöpfungsketten (Best Practices) beinhaltet. Es ist eine kostengünstige Alternative gegenüber den individuell implementierten SAP Best Practices. Über eine kostenlose Schulung, PowerPoint-Präsentation und das Whitepaper, können Sie sich detaillierter über die verschiedenen Model Companies informieren.

Fragenkataloge für die Workshops

Ergebnisse der Fit-to-Standard Workshops

  • Auswirkung der neuen Lösung auf bestehende Prozesse ist bekannt
  • Zielsystemkonkretisierung (Konfiguration, Organisationsstruktur, Daten etc.)
  • Dokumentierte Lücken (u. A. in der Backlog-Liste)
  • Bewusstsein für Wertschöpfung und KPIs bei den Anwendern vorhanden

Eigenständige Systemanalyse

Als Ergänzung zu den Workshops, können auch mit Hilfe von technischen Hilfsmitteln Analysen durchgeführt werden. Insofern das Legacy System ebenso ein SAP-System ist, finden sich SAP-Berater gut zurecht. Auch der Einstieg in ein bereits entwickeltes Projektsystem kann erforderlich sein. Ein paar Anregungen möchte der Autor daher dem Leser auf den Weg geben. So gibt es das Custom Code Lifecycle Management (CCLM) im Solution Manager, um Eigenentwicklungen und Modifikationen zu analysieren. Weitere Informationen finden Sie auf der Seite von SAP im Bereich SAP Solution Manager 7.2 sowie eine gute Übersicht zu den dazu vorhandenen Best Practices und Demos im Blog von Thomas Fischer. Die Quaellcodeanalyse kann auch über das Programm “/SDF/CD_CCA” bzw. die Transaktion „CC_APPS“ erfolgen.  Weiterführende Informationen finden Sie über einen Klick auf Fit/GAP-Analyse.

In den nächsten Artikeln werden die Beschleuniger für Fit-to-Standard-Analysen vorgestellt sowie die nötige Ergebnisdokumentation erläutert.

Wie kann man die grafische Benutzeroberfläche in SAP S/4HANA anpassen?

Die grafische Benutzeroberfläche nennt man in SAP Terminologie auch Graphical User Interface (GUI) und dessen Oberflächengestaltung (Theme). Die Theme-Auswahl wird an einem Beispiel veranschaulicht.

Wenn Sie das SAP Logon öffnen, können Sie über Optionen das SAP-Theme im „Visuelles Design“-Abschnitt  ändern. Von der klassischen Darstellung bis hin zu Themes, die den Fiori-Apps etwas ähnlicher sehen, stehen verschiedene Alternativen zur Auswahl. Daneben können Sie auch Ton-, Schrift- und Farbeinstellungen und vieles mehr konfigurieren. Diese acht Themes stehen im Standard zur Verfügung:

  • SAP Signature Theme High Contrast Black
  • Belize High Contrast White
  • Belize High Contrast Black
  • SAP Signature Theme
  • Blue Crystal Theme
  • Classic Theme
  • Belize Theme
  • Corbu Theme

Wählen Sie das Belize Theme, so finden Sie zum Beispiel innerhalb der Transaktion ML33 zur Konditionspflege ein paar neue Schaltflächen. Diese standen in SAP ERP noch nicht zur Verfügung.  Außerdem ist die grafische Darstellung den Fiori-Apps ähnlicher.

Transaktion ML33

Apropos: Sie können in S/4HANA via [Betrag ändern] eine prozentuale Änderung von 3% eingeben und es wird der Betrag der markierten Leistung entsprechend angepasst. Es können sogar mehrere Leistungen gleichzeitig markiert und bearbeitet werden. Die direkte Eingabe im Feld ist natürlich weiterhin ebenso möglich. Sie können via  [Währung ändern] die Währung ändern und dazu direkt den Kurstyp auswählen (zum Beispiel zum Stichtagskurs oder einem Durchschnittskurs). Oder S/4HANA via [Gültigkeit prüfen] Ihre Einträge auf ungültige Überlappungen prüfen lassen.

SAP´s User Experience am Beispiel Beschaffungsübersicht veranschaulicht!

Fiori-App: Beschaffungsübersicht

Anhand einer Fiori-App soll SAP´s User Experience veranschaulicht werden. Die Fiori-App zur Beschaffungsübersicht bietet einen High-Level-Überblick zu allen Einkaufs-KPIs. Sie bekommen sowohl analytische, als auch operative Informationen. S/4HANA hilft dem Einkäufer den Blick auf das aktuell Relevante zu lenken und gleichzeitig einen Überblick zu bewahren.  Im Beispiel beschränken wir uns auf die Warengruppe „Dienstleistungen“. Der Filter kann natürlich individuell via „Filter anpassen“ angepasst werden und man kann so ganz andere Betrachtungswinkel selektieren.

Nach dem Sie die Auswahl getroffen haben, bekommen Sie folgenden Überblick.

So erkennen Sie z.B. auf einen Blick:

  • Kritische Dienstleistungskontrakte (Gültigkeit oder Zielwert/-menge)
  • Laufende Ausschreibungsprozesse (Anfragen und Angebote)
  • Offene Bestellanforderungs- und Bestellpositionen
  • Eingegangene Lieferantenbestätigungen
  • Lieferantenbewertungen/-leistungen
  • offene Aktivitäten
  • Bestellausgaben

Via Klick auf eine Kachel, gelangen sie jeweils in die Detailansicht. Teilweise können Sie sogar die Gesamtübersicht (oranges Feld 1) oder Einzelübersicht (oranges Feld 2) wählen.

Klicken Sie z.B. in das Feld 1, so bekommen Sie diese Übersicht angezeigt:

Via Drilldown (Lieferant, Werk usw.) und Anzeigeeinstellungen (Kategorien, Achse 1 und Achse 2), können Sie die Anzeige und betrachteten Details ändern. Zudem kann die Sortierung und grafische Ausgabe (z.B. Balken-, Säulen- oder Kreisdiagramm) konfiguriert werden. Auch der Export in Excel oder das Öffnen einer Tabellenansicht innerhalb der Fiori-App ist möglich. Sie können sogar Benachrichtigungen abbonieren, Mini-Diagramme einblenden, auf die Säulen klicken und so in Detailansichten navigieren usw.

Wechseln Sie wieder zurück in die Cockpitübersicht, so können Sie via Klick auf das Feld 2 in die Einzelansicht zum Lieferanten (hier S4-Experts) navigieren.

Klicken Sie z.B. auf „Ausgaben außerhalb des Kontrakts“, so können Sie die aktuelle Auswahl ändern:

Die Einstellungsmöglichkeiten sind sehr umfangreich, aber dank dieser intuitiven Konfigurationsmöglichkeiten dennoch einfach zu verstehen und anzuwenden. In einer anderen Kachel werden Ihnen z.B. Bestellanforderungspositionen ohne Bezugsquellenzuordnung angezeigt. Via Klick auf diese, können Sie in die Bestellanforderungsverwaltung navigieren und zum Beispiel einen Lieferanten zuordnen. In der Kontraktübersicht wird Ihnen zum Beispiel angezeigt, inwiefern ein Rahmenvertrag aufgebucht wurde (Wert-/Mengengrenze). So können Sie bereits vor Erreichung einer Wert- oder Mengengrenze die Nachverhandlung mit dem Lieferanten einleiten. Um solch ein Meeting mit einem Lieferanten vorzubereiten, reicht es diesen oben einzugeben:

Damit bekommen Sie alle Informationen zum Lieferanten auf einen Blick. Kontrakte, Ausgaben, offene Belege (hier unbeantwortete Anfragen) etc. Wäre zum Beispiel eine Lieferantenbewertung vorhanden, könnte man Erkenntnisse daraus auch in die Verhandlungen mit einbeziehen. So könnte man zum Beispiel zusätzlich die zuverlässigere Einhaltung von Lieferterminzusagen via Service Level Agreements anstreben.  Für den betrachteten Lieferanten gibt es noch keine Lieferantenbewertung. Eine mögliche Übersicht bzgl. Preis, Menge, Termintreue und Qualität würde zum Beispiel folgendermaßen aussehen. Auch hier kann man die Darstellung konfigurieren.

SAPs „User Experience“ ist also kein leeres Versprechen geblieben. Hier hat sich das System weiterentwickelt und ist benutzerfreundlicher geworden. Dies App ist gleichzeitig ein sehr umfassendes Werkzeug und dennoch gut zu beherrschen.