Der Mensch ist deutlich weniger sozial, als er für sich in Anspruch nimmt. Ein digitaler Konkurrent fordert den Menschen genau dahingehend heraus. KI nimmt gerade erst Fahrt auf und bereits jetzt vertrauen wir bevorzugt der Maschine.
Überschätzung der eigenen Vorteile
Bisher gilt es für einige als „klug“ andere über den Tisch zu ziehen und anderen zu misstrauen. Naivität wird mit Dummheit gleichgesetzt und Aufrichtigkeit ggf. ebenso. Wir unterscheiden zwei Fälle, die einen handeln sozial inadäquat und die anderen halten sich sozial adäquat an geltende Regeln. Übrig bleibt eine Denkweise in isolierten Interessenräumen. Man sucht nach Möglichkeiten, den eigenen Vorteil zu maximieren, eine intrinsische Motivation beidseitige Vorteile herbeizuführen ist unterentwickelt und muss durch externe Faktoren beeinflusst werden. Seien es Gesetze, soziale Regeln oder wirtschaftliche Nachteile.
Wenig sinnvolle Geschäftsmodelle sind völlig überlaufen, während wechselseitig vorteilhafte Geschäftsmodelle teilweise unerkannt bleiben. Egoistische Gedankengänge schließen diese offensichtlich direkt aus. Der Autor kann sich nur wundern, wie viel Gold auf der Straße liegt. Es sei zudem betont, dass wir in einem hochentwickelten Land leben und das Geschäftsumfeld darüber hinaus sich durch einen vermeintlich hohen Qualitätsanspruch (Studium, Sozialverhalten usw.) auszeichnet.
Die Beziehungspflege, um ehrliche Unterstützung zu bekommen, wird zunehmend als zu aufwändig eingestuft. Der Vorteil von KI ist, dass das Eigeninteresse fehlt, die persönlichen Befindlichkeiten keinen Zusatzaufwand bewirken und darüber hinaus die Vertrauenswürdigkeit weniger Kontrollmechanismen erfordert.
Irgendwann haben wir angefangen unsere Waschmaschine wegzuschmeißen, anstatt diese reparieren zu lassen. (Un-)Bewusst findet ein statistischer Abgleich statt, der ggf. zu Ungunsten des Handwerks ausfällt. Ursächlich ist dann diese Erwartungshaltung: Eher unhöfliche Handwerker, freche Preise und wahlweise keine oder eine umständlich lang dauernde Reparatur. Genau dieser Mechanismus wartet jetzt auf den einfältigen Mitarbeiter im Büro, der unter Anleitung mit Überwachung reproduzierbare Kleinigkeiten erledigt.
Das neue Anforderungsprofil
Kreativität, Selbständigkeit, Qualität und soziale Fähigkeiten, die eine reibungslose Zusammenarbeit gestatten, bleiben relevant. Wiederholung und Quantität erledigt zunehmend KI, während der Mensch sich auf begeisternde Qualität konzentriert. Dies erfordert Empathie, Antizipation, eine reflektierende Denkweise, Offenheit gegenüber Kritik und ein authentisches Interesse an der Meinung anderer. Zuhören und verstehen war schon immer wichtig und gewinnt jetzt weiter an Relevanz. Bei der Kommunikation ist das Verstehen viel wichtiger, als Eloquenz. Es ist schon erstaunlich, wie unreflektiert einige nichts verstehen und anderen die Schuld dafür geben. Selbständig und kreativ aus dem was man hat etwas zu erschaffen, das über dessen Einzelteile hinauswächst, wird nie an Relevanz verlieren. Und das Sozialverhalten muss verbindlicher werden. Das zukünftige Anforderungsprofil entspricht dem Gegenteil eines rücksichtslosen Egoisten.
Von der digitalen Mikrorevolution zur göttschen Makrorevolution
Die für Sozialwissenschaftler wenig überraschende Antwort bleibt allerdings, dass sich das Sozialverhalten nicht ändern wird. Wir erwarten von einer schwachen Gruppe die Bewältigung kollektiver Dynamiken, bei denen selbst gut entwickelte Persönlichkeiten an ihre Grenzen stoßen. Ohne eine wesentliche Revolution des Bildungswesens, wird diese Gruppe vom Handwerk, über das Büro auf die Straße wandern. Management und Gehalt müssen durch eine angemessene Wertschöpfung gedeckt bleiben. Der Wertschöpfungsanteil verliert durch KI deutlich an Wert. Wir können durch Bildung einige Stellschrauben kaum beeinflussen (Kreativität), wohl aber das Sozialverhalten. Wer meint das Liebhaberei (Kunst, Religion, Musik, Erdkunde, Sport etc.) einen höheren Stellenwert hat, als die sozialen Grundlagen zu etablieren, der sollte ggf. selbst noch einmal die Schulbank drücken. Im Land der Dichter und Denker, gewinnen die Soziologen an Relevanz.

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